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Ich gebe offen zu, es dauerte einen Moment bis ich verstand, was der Studierende mir mit dem Satz „Respekt, mein Handy hat noch Akku“ mitteilen wollte. Ob es an den 6 Stunden Live-Online Training lag oder an meinem Gehirn, dass schlichtweg die Relevanz für mich nicht sofort begriffen hat, kann ich nicht sagen. Doch nach einem kurzen Moment verstand selbst ich, dass das ein großes Lob war und brachte immerhin ein „Danke“ raus. Dass dann diverse weitere Studierenden des Studiengangs eSports Management zustimmten und ebenfalls von ihrem noch vorhandenen Handyakkus sprachen, befeuerte im Positiven mein körpereigenes Belohnungssystem.

Doch was war geschehen? Mein Paradethema „Kompetent präsentieren“, im Rahmen des Fachs „Kommunikation & Präsentation“, war kurzerhand in dieser Woche in den digitalen Raum verlegt worden. An sich für mich kein Problem, immerhin bin ich mittlerweile in Vitero, Adobe Connect, Skype und neuerdings Yulinc fit. Aber natürlich gibt es didaktisch im virtuellen Raum einiges umzugestalten bzw. die Inhalte anzupassen. Kurzerhand befassten wir uns wesentlich intensiver mit dem Faktor „Stimme“ und dessen Wirkung und natürlich ist der theoretisch korrekte Umgang mit Flip Charts und Metaplanwänden nicht ganz so anschaulich, wie in Präsenzveranstaltungen.

Doch wo genau liegen die Herausforderungen von Weiterbildung und Lehre im virtuellen Raum? Das Beispiel mit dem Handy-Akku beschreibt es ziemlich treffend. Studierende im 2. Semester des noch recht neuen Studiengangs #esports-Management sind überwiegend junge Menschen um die 20 Jahre alt. Es waren übrigens nur Männer. Während in Präsenz-Vorlesungen und Seminaren jedoch die Lehrkraft sieht, wenn Studierende nur nach unten auf ihr Smartphone schauen, wird es online nicht wahrgenommen. Die große Herausforderung ist folglich, die Aufmerksamkeit und vor allem die Aktivität der Teilnehmer so groß zu halten, dass sie nicht nebenher an einem zweiten Rechner oder aber ihrem Handy „zocken“ können bzw. wollen; somit bleibt der Akku geschont, weil das Handy keine Bedeutung hat.

Mein Fazit für alle Lehrkräfte da draußen: Auch Schüler und Studierende haben es verdient, dass wir in dieser Zeit unser Bestes geben und ihnen auch im digitalen Raum Lernerlebnisse ermöglichen. Danke an meine Studierenden. Solche Momente bestätigen, dass nicht nur meine Tätigkeit in der Wirtschaft wichtig ist, sondern die 3 Tage im Semester bei euch immer wieder auch für mich ein schönes Erlebnis sind. Belohnt wurde mein Einsatz übrigens auchseitens der Studierenden, die am Ende solche Sternchen verteilten (siehe Grafik). Voller Demut sage ich Danke und freue mich, dass ich in meine Online Ausbildungen investiert habe und es mir offenbar gelungen ist, auch meine Kompetenzen in der digitalen Welt sichtbar zu machen.

Übrigens ich kann einigen Studierenden anderer Hochschulen verraten, es tut sich was. Denn neben Führungskräften, die jetzt mittels Videokonferenzen ihr Team „kompetent“ führen wollen, haben auch die ersten Hochschulen angefragt, ob ich dem Lehrpersonal beibringen kann, ihre fachliche Kompetenz auch im virtuellen Klassenraum sichtbar zu machen.

Im Januar 2019 habe ich mit Kollegen im Kongress der Learntec gesagt, es ist nicht die Frage ob wir digitale Formate brauche, sondern wie wir zukünftig ohne auskommen wollen. Dass es jetzt so beschleunigt wird, hat keiner ahnen können.

Machen wir das Beste draus, denn die Technik und die Kompetenzen für Lernen im digitalen Raum sind da.